Der Doktor Faust
Ein Tanzpoem nebst kuriosen Berichten über
Teufel, Hexen und Dichtkunst

Text by Heinrich Heine (1797-1856)

Einleitende Bemerkung | Der Doktor Faust | Erläuterungen

Du hast mich beschworen aus dem Grab
Durch deinen Zauberwillen,
Belebtest mich mit Wollustglut -
Jetzt kannst du die Glut nicht stillen.

Preß deinen Mund an meinen Mund,
Der Menschen Odem ist göttlich!
Ich trinke deine Seele aus,
Die Toten sind unersättlich.

Erster Akt

Studierzimmer, groß, gewölbt, in gotischem Stil. 
Spärliche Beleuchtung. An den Wänden Bücher-
schränke, astrologische und alchimistische Gerät-
schaften (Welt- und Himmelskugel, Planetenbilder, 
Retorten und seltsame Gläser), anatomische Präparate
(Skelette von Menschen und Tieren) und sonstige Re-
quisiten der Nekromantie.
Es schlägt Mitternacht. Neben einem mit 
aufgestapelten Büchern und physikalischen Instru-
menten bedeckten Tische, in einem hohen Lehnstuhl, 
sitzt nachdenklich der Doktor Faust. Seine Kleidung 
ist die altdeutsche Gelehrtentracht des sechzehnten 
Jahrhunderts. Er erhebt sich endlich und schwankt mit
unsichern Schritten einem Bücherschranke zu, wo ein 
großer Foliant mit einer Kette angeschlossen; er öff-
net das Schloß und schleppt das entfesselte Buch (den
sogenannten »Höllenzwang«) nach seinem Tische. In 
seiner Haltung und seinem ganzen Wesen beurkundet 
sich eine Mischung von Unbeholfenheit und Mut, von
linkischer Magisterhaftigkeit und trotzigem Doktor-
stolz. Nachdem er einige Lichter angezündet und mit 
einem Schwerte verschiedene magische Kreise auf 
dem Boden gezeichnet, öffnet er das große Buch, und 
in seinen Gebärden offenbaren sich die geheimen 
Schauer der Beschwörung. Das Gemach verdunkelt 
sich; es blitzt und donnert; aus dem Boden, der sich 
prasselnd öffnet, steigt empor ein flammend roter 
Tiger. Faust zeigt sich bei diesem Anblick nicht im 
mindesten erschreckt, er tritt der feurigen Bestie mit 
Verhöhnung entgegen und scheint ihr zu befehlen, so-
gleich zu entweichen. Sie versinkt auch alsbald in die 
Erde. Faust beginnt aufs neue seine Beschwörungen, 
wieder blitzt und donnert es entsetzlich, und aus dem 
sich öffnenden Boden schießt empor eine ungeheure 
Schlange, die, in den bedrohlichsten Windungen sich 
ringelnd, Feuer und Flammen zischt. Auch ihr begeg-
net der Doktor mit Verachtung, er zuckt die Achsel, er
lacht, er spottet darüber, daß der Höllengeist nicht in 
einer weit gefährlichern Gestalt zu erscheinen ver-
mochte, und auch die Schlange kriecht in die Erde zu-
rück. Faust erhebt sogleich mit gesteigertem Eifer 
seine Beschwörungen, aber diesmal schwindet plötz-
lich die Dunkelheit, das Zimmer erhellt sich mit un-
zähligen Lichtern, statt des Donnerwetters ertönt die 
lieblichste Tanzmusik, und aus dem geöffneten 
Boden, wie aus einem Blumenkorb, steigt hervor eine 
Ballettänzerin, gekleidet im gewöhnlichen Gaze- und 
Trikotkostüme und umhergaukelnd in den banalsten 
Pirouetten.
Faust ist anfänglich darob befremdet, daß der be-
schworene Teufel Mephistopheles keine unheilvollere
Gestalt annehmen konnte als die einer Ballettänzerin, 
doch zuletzt gefällt ihm diese lächelnd anmutige Er-
scheinung, und er macht ihr ein gravitätisches Kom-
pliment. Mephistopheles oder vielmehr Mephistophe-
la, wie wir nunmehr die in die Weiblichkeit überge-
gangene Teufelei zu nennen haben, erwidert parodie-
rend das Kompliment des Doktors und umtänzelt ihn 
in der bekannten koketten Weise. Sie hält einen Zau-
berstab in der Hand, und alles, was sie im Zimmer 
damit berührt, wird aufs ergötzlichste umgewandelt, 
doch dergestalt, daß die ursprüngliche Formation der 
Gegenstände nicht ganz vertilgt wird, z.B. die dun-
keln Planetenbilder erleuchten sich buntfarbig von 
innen, aus den Pokalen mit Mißgeburten blicken die 
schönsten Vögel hervor, die Eulen tragen Girandolen 
im Schnabel, prachtvoll sprießen an den Wänden her-
vor die kostbarsten güldenen Geräte, venezianische 
Spiegel, antike Basreliefs, Kunstwerke, alles chao-
tisch gespenstisch und dennoch glänzend schön: eine 
ungeheuerliche Arabeske. Die Schöne scheint mit 
Faust ein Freundschaftsbündnis zu schließen, doch 
das Pergament, das sie ihm vorhält, die furchtbare 
Verschreibung, will er noch nicht unterzeichnen. Er 
verlangt von ihr die übrigen höllischen Mächte zu 
sehen, und diese, die Fürsten der Finsternis, treten 
alsbald aus dem Boden hervor. Es sind Ungetüme mit
Tierfratzen, fabelhafte Mischlinge des Skurrilen und 
Furchtbaren, die meisten mit Kronen auf den Köpfen 
und Zeptern in den Tatzen. Faust wird denselben von 
der Mephistophela vorgestellt, eine Präsentation, 
wobei die strengste Hofetikette vorwaltet. Zeremoniös
einherwackelnd, beginnen die unterweltlichen Maje-
stäten ihren plumpen Reigen, doch indem Mephisto-
phela sie mit dem Zauberstabe berührt, fallen die häß-
lichen Hüllen plötzlich von ihnen, und sie verwandeln
sich ebenfalls in lauter zierliche Ballettänzerinnen, die
in Gaze und Trikot und mit Blumengirlanden dahin-
flattern. Faust ergötzt sich an dieser Metamorphose, 
doch scheint er unter allen jenen hübschen Teufelin-
nen keine zu finden, die seinen Geschmack gänzlich 
befriedige; dieses bemerkend, schwingt Mephistophe-
la wieder ihren Stab, und in einem schon vorher an 
die Wand hingezauberten Spiegel erscheint das Bild-
nis eines wunderschönen Weibes in Hoftracht und mit
einer Herzogskrone auf dem Haupte. Sobald Faust sie
erblickt, ist er wie hingerissen von Bewunderung und 
Entzücken, und er naht dem holden Bildnis mit allen 
Zeichen der Sehnsucht und Zärtlichkeit. Doch das 
Weib im Spiegel, welches sich jetzt wie lebend be-
wegt, wehrt ihn von sich ab mit hochmütigstem Nase-
rümpfen; er kniet flehend vor ihr nieder, und sie wie-
derholt nur noch beleidigender ihre Gesten der Ver-
achtung.
Der arme Doktor wendet sich hierauf mit bittenden 
Blicken an Mephistophela, doch diese erwidert sie 
mit schalkhaftem Achselzucken, und sie bewegt ihren 
Zauberstab. Aus dem Boden taucht sogleich bis zur 
Hüfte ein häßlicher Affe hervor, der aber auf ein Zei-
chen der Mephistophela, die ärgerlich den Kopf 
schüttelt, schleunigst wieder hinabsinkt in den Boden,
woraus im nächsten Augenblicke ein schöner, schlan-
ker Balletttänzer hervorspringt, welcher die banalsten 
Pas exekutiert. Der Tänzer naht sich dem Spiegelbil-
de, und indem er demselben mit der fadesten Süffi-
sance seine buhlerischen Huldigungen darbringt, 
lächelt ihm das schöne Weib aufs holdseligste entge-
gen, sie streckt die Arme nach ihm aus mit schmach-
tender Sehnsucht und erschöpft sich in den zärtlich-
sten Demonstrationen. Bei diesem Anblick gerät 
Faust in rasende Verzweiflung, doch Mephistophela 
erbarmt sich seiner, und mit ihrem Zauberstab berührt
sie den glücklichen Tänzer, der auf der Stelle in die 
Erde zurücksinkt, nachdem er sich zuvor in einen 
Affen verwandelt und seine abgestreifte Tänzerklei-
dung auf dem Boden zurückgelassen hat. Jetzt reicht 
Mephistophela wieder das Pergamentblatt dem Faust 
dar, und dieser, ohne langes Besinnen, öffnet sich eine
Ader am Arme, und mit seinem Blute unterzeichnet er
den Kontrakt, wodurch er, für zeitliche irdische Ge-
nüsse, seiner himmlischen Seligkeit entsagt. Er wirft 
die ernste, ehrsame Doktortracht von sich und zieht 
den sündig bunten Flitterstaat an, den der verschwun-
dene Tänzer am Boden zurückgelassen; bei dieser 
Umkleidung, die sehr ungeschickt vonstatten geht, 
hilft ihm das leichtfertige corps de ballet der Hölle.
Mephistophela gibt dem Faust jetzt Tanzunterricht 
und zeigt ihm alle Kunststücke und Handgriffe oder 
vielmehr Fußgriffe des Metiers. Die Unbeholfenheit 
und Steifheit des Gelehrten, der die zierlich leichten 
Pas nachahmen will, bilden die ergötzlichsten Effekte 
und Kontraste. Die teuflischen Tänzerinnen wollen 
auch hier nachhelfen, jede sucht auf eigne Weise die 
Lehre durch Beispiel zu erklären, eine wirft den 
armen Doktor in die Arme der andern, die mit ihm 
herumwirbelt; er wird hin und her gezerrt, doch durch 
die Macht der Liebe und des Zauberstabs, der die un-
folgsamen Glieder allmählich gelenkig schlägt, er-
reicht der Lehrling der Choreographie zuletzt die 
höchste Fertigkeit: er tanzt ein brillantes Pas de deux 
mit Mephistophela, und zur Freude seiner Kunstge-
nossinnen fliegt er auch mit ihnen umher in den wun-
derlichsten Figuren. Nachdem er es zu dieser Virtuo-
sität gebracht, wagt er als Tänzer auch vor dem schö-
nen Frauenbilde des Zauberspiegels zu erscheinen, 
und dieses beantwortet seine tanzende Leidenschaft 
mit den Gebärden der glühendsten Gegenliebe. Faust 
tanzt mit immer sich steigernder Seelentrunkenheit; 
Mephistophela aber reißt ihn fort von dem Spiegelbil-
de, das durch die Berührung des Zauberstabes wieder 
verschwindet, und fortgesetzt wird der höhere Tanz-
unterricht der altklassischen Schule.

Zweiter Akt

Großer Platz vor einem Schlosse, welches zur rech-
ten Seite sichtbar. Auf der Rampe, umgeben von 
ihrem Hofgesinde, Rittern und Damen, sitzen in 
hohen Thronsesseln der Herzog und die Herzogin, er-
sterer ein steifältlicher Herr, letztere ein junges, üppi-
ges Weib, ganz das Konterfei des Frauenbilds, wel-
ches der Zauberspiegel des ersten Akts dargestellt hat.
Bemerklich ist, daß sie am linken Fuße einen gülde-
nen Schuh trägt.
Die Szene ist prachtvoll geschmückt zu einem Hof-
feste. Es wird ein Schäferspiel aufgeführt, im ältesten 
Rokokogeschmacke: graziöse Fadheit und galante 
Unschuld. Diese süßlich gezierte Arkadientänzelei 
wird plötzlich unterbrochen und verscheucht durch 
die Ankunft des Faust und der Mephistophela, die in 
ihrem Tanzkostüm und mit ihrem Gefolge von dämo-
nischen Ballettänzerinnen, unter jauchzenden Fanfa-
ren, ihren Siegeseinzug halten. Faust und Mephisto-
phela machen ihre springenden Reverenzen vor dem 
Fürstenpaar, doch ersterer und die Herzogin, indem 
sie sich näher betrachten, sind betroffen wie von freu-
digster Erinnerung: sie erkennen sich und wechseln 
zärtliche Blicke. Der Herzog scheint mit besonders 
gnädigem Wohlwollen die Huldigung Mephistophelas
entgegenzunehmen. In einem ungestümen Pas de 
deux, welches letztere jetzt mit Faust tanzt, haben 
beide fürnehmlich das Fürstenpaar im Auge, und 
während die teuflischen Tänzerinnen sie ablösen, kost
Mephistophela mit dem Herzog und Faust mit der 
Herzogin; die überschwengliche Passion der beiden 
letztern wird gleichsam parodiert, indem Mephisto-
phela den eckigen und steifleinenen Graziösitäten des 
Herzogs eine ironische Zimperlichkeit entgegensetzt.
Der Herzog wendet sich endlich gegen Faust und 
verlangt, als eine Probe seiner Schwarzkunst, den ver-
storbenen König David zu sehen, wie er vor der Bun-
deslade tanzte. Auf solches allerhöchste Verlangen 
nimmt Faust den Zauberstab aus den Händen Mephi-
stophelas, schwingt ihn in beschwörender Weise, und 
aus der Erde, welche sich öffnet, tritt die begehrte 
Gruppe hervor: auf einem Wagen, der von Leviten ge-
zogen wird, steht die Bundeslade, vor ihr tanzt König 
David, possenhaft vergnügt und abenteuerlich ge-
putzt, gleich einem Kartenkönig, und hinter der heili-
gen Lade, mit Spießen in den Händen, hüpfen schau-
kelnd einher die königlichen Leitgarden, gekleidet wie
polnische Juden in lang herabschlotternd schwarz-sei-
denen Kaftans und mit hohen Pelzmützen auf den 
spitzbärtigen Wackelköpfen. Nachdem diese Karika-
turen ihren Umzug gehalten, verschwinden sie wieder 
in den Boden unter rauschenden Beifallsbezeugungen.
Aufs neue springen Faust und Mephistophela her-
vor zu einem glänzenden Pas de deux, wo der eine 
wieder die Herzogin und die andre wieder den Herzog
mit verliebten Gebärden anlockt, so daß das erlauchte
Fürstenpaar endlich nicht mehr widersteht und, seinen
Sitz verlassend, sich den Tänzen jener beiden an-
schließt. Dramatische Quadrille, wo Faust die Herzo-
gin noch inniger zu bestricken sucht. Er hat ein Teu-
felsmal an ihrem Halse bemerkt, und indem er da-
durch entdeckt, daß sie eine Zauberin sei, gibt er ihr 
ein Rendezvous für den nächsten Hexensabbat. Sie ist
erschrocken und will leugnen, doch Faust zeigt hin 
auf ihren güldenen Schuh, welcher das Wahrzeichen 
ist, woran man die Domina, die fürnehmste Satans-
braut, erkennt. Verschämt gestattet sie das Rendez-
vous. Parodistisch gebärden sich wieder gleichzeitig 
der Herzog und Mephistophela, und die dämonischen 
Tänzerinnen setzen den Tanz fort, nachdem die vier 
Hauptpersonen sich in Zwiegesprächen zurückgezo-
gen.
Auf ein erneutes Begehr des Herzogs, ihm eine 
Probe seiner Zauberkunst zu geben, ergreift Faust den
magischen Stab und berührt damit die eben dahinwir-
belnden Tänzerinnen. Diese verwandeln sich im Nu 
wieder in Ungetüme, wie wir sie im ersten Akte gese-
hen, und aus dem graziösesten Ringelreihen in die 
täppischste und barockste Ronde überplumpsend,
versinken sie zuletzt unter sprühenden Flammen in 
dem sich öffnenden Boden. - Rauschend enthusiasti-
scher Beifall, und Faust und Mephistophela verbeu-
gen sich dankbar vor den hohen Herrschaften und 
einem verehrungswürdigen Publiko.
Aber nach jedem Zauberstück steigert sich die tolle
Lust; die vier Hauptpersonen stürzen rücksichtslos 
wieder auf den Tanzplatz, und in der Quadrille, die 
sich erneuet, gebärdet sich die Leidenschaft immer 
dreister: Faust kniet nieder vor der Herzogin, die in 
nicht minder kompromittierenden Pantomimen ihre 
Gegenliebe kundgibt: vor der schäkernd hingerissenen
Mephistophela kniet, wie ein lüsterner Faun, der alte 
Herzog; - doch indem er sich zufällig umwendet und 
seine Gattin nebst Faust in den erwähnten Posituren 
erblickt, springt er wütend empor, zieht sein Schwert 
und will den frechen Schwarzkünstler erstechen. Die-
ser ergreift rasch seinen Zauberstab, berührt damit 
den Herzog, und auf dem Haupte desselben schießt 
ein ungeheures Hirschgeweih empor, an dessen Enden
ihn die Herzogin zurückhält. Allgemeine Bestürzung 
der Höflinge, die ihre Schwerter ergreifen und auf 
Faust und Mephistophela eindringen. Faust aber be-
wegt wieder seinen Stab, und im Hintergrunde der 
Szene erklingen plötzlich kriegerische Trompetenstö-
ße, und man erblickt in Reih und Glied eine ganze 
Schar von Kopf bis zu Füßen geharnischter Ritter. 
Indem die Höflinge sich gegen diese zu ihrer Verteidi-
gung umwenden, fliegen Faust und Mephistophela 
durch die Luft davon, auf zwei schwarzen Rossen, die
aus dem Boden hervorgekommen. Im selben Augen-
blick zerrinnt, wie eine Phantasmagorie, auch die be-
waffnete Ritterschar.

Dritter Akt

Nächtlicher Schauplatz des Hexensabbats: Eine 
breite Bergkoppe; zu beiden Seiten Bäume, an deren 
Zweigen seltsame Lampen hängen, welche die Szene 
erleuchten; in der Mitte ein steinernes Postament, wie 
ein Altar, und darauf steht ein großer schwarzer Bock 
mit einem schwarzen Menschenantlitz und einer bren-
nenden Kerze zwischen den Hörnern. Im Hintergrun-
de Gebirgshöhen, die, einander überragend, gleichsam
ein Amphitheater bilden, auf dessen kolossalen Stufen
als Zuschauer die Notabilitäten der Unterwelt sitzen, 
nämlich jene Höllenfürsten, die wir in den vorigen 
Akten gesehen und die hier noch riesenhafter erschei-
nen. Auf den erwähnten Bäumen hocken Musikanten 
mit Vogelgesichtern und wunderlichen Saiten- und 
Blasinstrumenten. Die Szene ist bereits ziemlich be-
lebt von tanzenden Gruppen, deren Trachten an die 
verschiedensten Länder und Zeitalter erinnern, so daß 
die ganze Versammlung einem Maskenball gleicht, 
um so mehr, da wirklich viele darunter verlarvt und 
vermummt sind. Wie barock, bizarr und abenteuerlich
auch manche dieser Gestalten, so dürfen sie dennoch 
den Schönheitssinn nicht verletzen, und der häßliche 
Eindruck des Fratzenwesens wird gemildert oder ver-
wischt durch märchenhafte Pracht und positives Grau-
en. Vor den Bocksaltar tritt ab und zu ein Paar, ein 
Mann und ein Weib, jeder mit einer schwarzen Fackel
in der Hand, sie verbeugen sich vor der Rückseite des 
Bocks, knien davor nieder und leisten das Homagium 
des Kusses. Unterdessen kommen neue Gäste durch 
die Luft geritten, auf Besenstielen, Mistgabeln, Koch-
löffeln, auch auf Wölfen und Katzen. Diese Ankömm-
linge finden hier die Buhlen, die bereits ihrer harrten. 
Nach freudigster Willkommbegrüßung mischen sie 
sich unter die tanzenden Gruppen. Auch Ihre Durch-
laucht die Herzogin kommt auf einer ungeheuren Fle-
dermaus herangeflogen; sie ist so entblößt als mög-
lich gekleidet und trägt am rechten Fuß den güldenen 
Schuh. Sie scheint jemanden mit Ungeduld zu suchen.
Endlich erblickt sie den Ersehnten, nämlich Faust, 
welcher mit Mephistophela auf schwarzen Rossen 
zum Feste her anfliegt; er trägt ein glänzendes Ritter-
gewand, und seine Gefährtin schmückt das züchtig 
enganliegende Amazonenkleid eines deutschen Edel-
fräuleins. Faust und die Herzogin stürzen einander in 
die Arme, und ihre überschwellende Inbrunst offen-
bart sich in den verzücktesten Tänzen. Mephistophela
hat unterdessen ebenfalls einen erwarteten Gespons 
gefunden, einen dürren Junker in schwarzer, spani-
scher Manteltracht und mit einer blutroten Hahnenfe-
der auf dem Barett; doch während Faust und die Her-
zogin die ganze Stufenleiter einer wahren Leiden-
schaft, einer wilden Liebe durchtanzen, ist der Zwei-
tanz der Mephistophela und ihres Partners, als Gegen-
satz, nur der buhlerische Ausdruck der Galanterie, der
zärtlichen Lüge, der sich selbst persiflierenden Lü-
sternheit. Alle vier ergreifen endlich schwarze 
Fackeln, bringen in der obenerwähnten Weise dem 
Bocke ihre Huldigung und schließen sich zuletzt der 
Ronde an, womit die ganze vermischte Gesellschaft 
den Altar umwirbelt. Das Eigentümliche dieser Ronde
besteht darin, daß die Tänzer einander den Rücken 
zudrehen und nicht das Gesicht, welches nach außen 
gewendet bleibt.
Faust und die Herzogin, welche dem Ringelreihen 
entschlüpfen, erreichen die Höhe ihres Liebetaumels 
und verlieren sich hinter den Bäumen zur rechten 
Seite der Szene. Die Ronde ist beendet, und neue 
Gäste treten vor den Altar und begehen dort die Ad-
oration des Bocks; es sind gekrönte Häupter darunter,
sogar Großwürdenträger der Kirche in ihren geistli-
chen Ornaten.
Im Vordergrunde zeigen sich mittlerweile viele 
Mönche und Nonnen, und an ihren extravaganten Pol-
kasprüngen erquicken sich die dämonischen Zuschau-
er auf den Bergspitzen, und sie applaudieren mit lang 
hervorgestreckten Tatzen. Faust und die Herzogin 
kommen wieder zum Vorschein, doch sein Antlitz ist 
verstört, und verdrossen wendet er sich ab von dem 
Weibe, das ihn mit den wollüstigsten Karessen ver-
folgt. Er gibt ihr seinen Überdruß und Widerwillen in 
unzweideutiger Weise zu erkennen. Vergebens stürzt 
flehentlich die Herzogin vor ihm nieder; er stößt sie 
mit Abscheu zurück. In diesem Augenblicke erschei-
nen drei Mohren in goldnen Wappenröcken, worauf 
lauter schwarze Böcke gestickt sind; sie bringen der 
Herzogin den Befehl, sich unverzüglich zu ihrem 
Herrn und Meister Satanas zu begeben, und die Zö-
gernde wird mit Gewalt fortgeschleppt. Man sieht im 
Hintergrunde, wie der Bock von seinem Postamente 
herabsteigt und, nach einigen sonderbaren Kompli-
mentierungen, mit der Herzogin ein Menuett tanzt. 
Langsam gemessene zeremoniöse Pas. Auf dem Ant-
litz des Bockes liegt der Trübsinn eines gefallenen 
Engels und der tiefe Ennui eines blasierten Fürsten; in
allen Zügen der Herzogin verrät sich die trostloseste 
Verzweiflung. Nach Beendigung des Tanzes steigt der
Bock wieder auf sein Postament; die Damen, welche 
diesem Schauspiel zugesehen, nahen sich der 
Herzogin mit Knicks und Huldigung und ziehen die-
selbe mit sich fort. Faust ist im Vordergrunde stehen-
geblieben, und während er jenem Menuett zuschaut, 
erscheint wieder an seiner Seite Mephistophela. Mit 
Widerwillen und Ekel zeigt Faust auf die Herzogin 
und scheint in betreff derselben etwas Entsetzliches 
zu erzählen; er bezeugt überhaupt seinen Ekel ob all 
dem Fratzentreiben, das er vor sich sehe, ob all dem 
gotischen Wuste, der nur eine plump schnöde Ver-
höhnung der kirchlichen Asketik, ihm aber ebenso un-
erquicklich sei wie letztere. Er empfindet eine unend-
liche Sehnsucht nach dem Reinschönen, nach griechi-
scher Harmonie, nach den uneigennützig edlen Ge-
stalten der Homerischen Frühlingswelt! Mephistophe-
la versteht ihn, und mit ihrem Zauberstab den Boden 
berührend, läßt sie das Bild der berühmten Helena 
von Sparta daraus hervorsteigen und sogleich wieder 
verschwinden. Das ist es, was das gelehrte, nach anti-
kem Ideal dürstende Herz des Doktors begehrte; er 
gibt seine volle Begeisterung zu erkennen, und durch 
einen Wink der Mephistophela erscheinen wieder die 
magischen Rosse, worauf beide davonfliegen. In dem-
selben Momente erscheint die Herzogin wieder auf 
der Szene; sie bemerkt die Flucht des Geliebten, gerät
in die unsinnigste Verzweiflung und fällt ohnmächtig 
zu Boden. In diesem Zustande wird sie von einigen 
wüsten Gestalten aufgehoben und mit Scherz und 
Possen, wie im Triumphe, umhergetragen. Wieder 
Hexenronde, die plötzlich unterbrochen wird von dem
gellenden Klang eines Glöckchens und einem Or-
gelchoral, der eine verruchte Parodie der Kirchenmu-
sik ist. Alles drängt sich zum Altar, wo der schwarze 
Bock in Flammen aufgeht und prasselnd verbrennt. 
Nachdem der Vorhang schon gefallen, hört man noch 
die grausenhaft burlesken Freveltöne der Satansmes-
se.

Vierter Akt

Eine Insel im Archipel. Ein Stück Meer, smaragd-
farbig glänzend, ist links sichtbar und scheidet sich 
lieblich ab von dem Turkoisenblau des Himmels, des-
sen sonniges Tageslicht eine ideale Landschaft über-
strahlt: Vegetation und Architekturen sind hier so 
griechisch schön, wie sie der Dichter der »Odyssee« 
einst geträumt. Pinien, Lorbeerbüsche, in deren Schat-
ten weiße Bildwerke ruhen; große Marmorvasen mit 
fabelhaften Pflanzen; die Bäume von Blumengirlan-
den umwunden; kristallene Wasserfälle; zur rechten 
Seite der Szene ein Tempel der Venus Aphrodite, 
deren Statue aus den Säulengängen hervorschimmert; 
und das alles belebt von blühenden Menschen, die 
Jünglinge in weißen Festgewanden, die Jungfrauen in 
leichtgeschürzter Nymphentracht, ihre Häupter ge-
schmückt mit Rosen oder Myrten und teils in einzel-
nen Gruppen sich erlustigend, teils auch in zeremo-
niösen Reigen vor dem Tempel der Göttin mit dem 
Freudendienste derselben beschäftigt. Alles atmet hier
griechische Heiterkeit, ambrosischen Götterfrieden, 
klassische Ruhe. Nichts erinnert an ein neblichtes 
Jenseits, an mystische Wollust- und Angstschauer, an 
überirdische Ekstase eines Geistes, der sich von der 
Körperlichkeit emanzipiert: hier ist alles reale plasti-
sche Seligkeit ohne retrospektive Wehmut, ohne ah-
nende leere Sehnsucht. Die Königin dieser Insel ist 
Helena von Sparta, die schönste Frau der Poesie, und 
sie tanzt an der Spitze ihrer Hofmägde vor dem Venu-
stempel: Tanz und Posituren, im Einklang mit der 
Umgebung, gemessen, keusch und feierlich.
In diese Welt brechen plötzlich herein Faust und 
Mephistophela, auf ihren schwarzen Rossen durch die
Lüfte herabfliegend. Sie sind wie befreit von einem 
düstern Alpdruck, von einer schnöden Krankheit, von 
einem tristen Wahnsinn und erquicken sich beide an 
diesem Anblick des Urschönen und des wahrhaft 
Edlen. Die Königin und ihr Gefolge tanzen ihnen 
gastlich entgegen, bieten ihnen Speise und Trank in 
kostbar ziselierten Geräten und laden sie ein, bei 
ihnen zu wohnen auf der stillen Insel des Glücks. 
Faust und seine Gefährtin antworten durch freudige 
Tänze, und alle, einen Festzug bildend, begeben sich 
zuletzt nach dem Tempel der Venus, wo der Doktor 
und Mephistophela ihre mittelalterlich romantische 
Kleidung gegen einfach herrliche griechische Gewän-
der vertauschen; in solcher Umwandlung wieder mit 
der Helena auf die Vorderszene tretend, tragieren sie 
irgendeinen mythologischen Dreitanz.
Faust und Helena lassen sich endlich nieder auf 
einen Thron, zur rechten Seite der Szene, während 
Mephistophela, einen Thyrsus und eine Handtrommel 
ergreifend, als Bacchantin in den ausgelassensten Po-
situren einherspringt. Die Jungfrauen der Helena er-
faßt das Beispiel dieser Lust, sie reißen die Rosen 
und Myrten von ihren Häuptern, winden Weinlaub in 
die entfesselten Locken, und mit flatternden Haaren 
und geschwungenen Thyrsen taumeln sie ebenfalls 
dahin als Bacchanten. Die Jünglinge bewaffnen sich 
alsbald mit Schild und Speer, vertreiben die göttlich 
rasenden Mädchen und tanzen in Schein kämpfen eine
jener kriegerischen Pantomimen, welche von den alten
Autoren so wohlgefällig beschrieben sind.
In dieser heroischen Pastorale mag auch eine antike
Humoreske eingeschaltet werden, nämlich eine Schar 
Amoretten, die auf Schwänen herangeritten kommen 
und mit Spießen und Bogen ebenfalls einen Kampf-
tanz beginnen. Dieses artige Spiel wird aber plötzlich
gestört: die erschreckten Liebesbübchen werfen sich 
rasch auf ihre Reitschwäne und flattern von dannen 
bei der Ankunft der Herzogin, die auf einer ungeheu-
ren Fledermaus durch die Luft herbeigeflogen kommt 
und wie eine Furie vor den Thron tritt, wo Faust und 
Helena ruhig sitzen. Sie scheint jenem die wahnsin-
nigsten Vorwürfe zu machen und diese zu bedrohen. 
Mephistophela, die den ganzen Auftritt mit Schaden-
freude betrachtet, beginnt wieder ihren Bacchan-
tentanz, dem die Jungfrauen der Helena sich ebenfalls
wieder tanzend beigesellen, so daß diese Freudenchö-
re mit dem Zorn der Herzogin gleichsam verhöhnend 
kontrastieren. Letztere kann sich zuletzt vor Wut 
nicht mehr lassen, sie schwingt den Zauberstab, den 
sie in der Hand hält, und scheint diese Bewegung mit 
den entsetzlichsten Beschwörungssprüchen zu beglei-
ten. Alsbald verfinstert sich der Himmel, Blitz und 
Donnerschlag, das Meer flutet stürmisch empor, und 
auf der ganzen Insel geschieht an Gegenständen und 
Personen die schauderhafteste Umwandlung. Alles ist 
wie getroffen von Wetter und Tod: die Bäume stehen 
laublos und verdorrt; der Tempel ist zu einer Ruine 
zusammengesunken; die Bildsäulen liegen gebrochen 
am Boden; die Königin Helena sitzt als eine fast zum 
Gerippe entfleischte Leiche in einem weißen Laken 
zur Seite des Faust; die tanzenden Frauenzimmer sind
ebenfalls nur noch knöcherne Gespenster, gehüllt in 
weiße Tücher, die, über den Kopf hängend, nur bis 
auf die dürren Lenden reichen, wie man die Lamien 
darstellt, und in dieser Gestalt setzen sie ihre heitern 
Tanzposituren und Ronden fort, als wäre gar nichts 
passiert, und sie scheinen die ganze Umwandlung 
durchaus nicht bemerkt zu haben. Faust ist aber bei 
diesem Begebnis, wo all sein Glück zertrümmert 
ward durch die Rache einer eifersüchtigen Hexe, aufs 
höchste gegen dieselbe erbost; er springt vom Thron 
herab, mit gezogenem Schwerte, und bohrt es in die 
Brust der Herzogin.
Mephistophela hat die beiden Zauberrappen wieder
herbeigeführt, sie treibt den Faust angstvoll an, sich 
schnell aufzuschwingen, und reitet mit ihm davon 
durch die Luft. Das Meer brandet unterdessen immer 
höher, es überschwemmt allmählich Menschen und 
Monumente, nur die tanzenden Lamien scheinen 
nichts davon zu merken, und bei heitern Tambu-
rinklängen tanzen sie bis zum letzten Augenblick, wo 
die Wellen ihre Köpfe erreichen und die ganze Insel 
gleichsam im Wasser versinkt. Über das sturmge-
peitschte Meer, hoch oben in der Luft, sieht man 
Faust und Mephistophela auf ihren schwarzen Gäulen
dahinjagen.

Fünfter Akt

Ein großer freier Platz vor einer Kathedrale, deren 
gotisches Portal im Hintergrunde sichtbar. Zu beiden 
Seiten zierlich geschnittene Lindenbäume; unter den-
selben links sitzen zechende und schmausende Bür-
gersleute, gekleidet in der niederländischen Tracht des
sechzehnten Jahrhunderts. Unfern sieht man auch mit 
Armbrüsten bewaffnete Schützen, die nach einem auf 
einen hohen Pfahl gepflanzten Vogel schießen. Über-
all Kirmesjubel: Schaubuden, Musikanten, Puppen-
spiel, umherspringende Pickelheringe und fröhliche 
Gruppen. In der Mitte der Szene ein Rasenplatz, wo 
die Honoratioren tanzen. -
Der Vogel ist herabgeschossen, und der Sieger hält 
als Schützenkönig seinen Triumphzug. Eine feiste 
Bierbrauerfigur, auf dem Haupte eine enorme Krone, 
woran eine Menge Glöckchen, Bauch und Rücken be-
hängt mit großen Schilden von Goldblech; und sol-
chermaßen mit Geklingel und Gerassel einherstolzie-
rend. Vor ihm marschieren Trommler und Pfeifer, 
auch der Fahnenträger, ein kurzbeinichter Knirps, der 
mit einer ungeheueren Fahne die drolligsten Schwen-
kungen verrichtet; die ganze Schützengilde folgt gra-
vitätisch hinterher. Vor dem dicken Bürgermeister 
und seiner nicht minder korpulenten Gattin, die nebst 
ihrem Töchterlein unter den Linden sitzen, wird die 
Fahne geschwenkt und neigen sich respektvoll die 
Vorüberziehenden. Jene erwidern die Salutation, und 
ihr Töchterlein, ein blondlockiges Jungfrauenbild aus 
der niederländischen Schule, kredenzt dem Schützen-
könig den Ehrenbecher.
Trompetenstöße ertönen, und auf einem hohen, mit 
Laubwerk geschmückten Karren, der von zwei 
schwarzen Gäulen gezogen wird, erscheint der hoch-
gelahrte Doktor Faust in scharlachrotem und goldbe-
treßtem Quacksalberkostüme; dem Wagen voran, die 
Pferde lenkend, schreitet Mephistophela, ebenfalls in 
grell marktschreierischem Aufputz, reich bebändert 
und befiedert und in der Hand eine große Trompete, 
worauf sie zuweilen Fanfaren bläst, während sie eine 
das Volk heranlockende Reklame tanzt. Die Menge 
drängt sich alsbald um den Wagen, wo der fahrende 
Wunderdoktor allerlei Tränklein und Mixturen gegen 
bare Bezahlung austeilt. Einige Personen bringen ihm
in großen Flaschen ihren Urin zur Besichtigung. An-
dern reißt er die Zähne aus. Er tut sichtbare Mirakel-
kuren an verkrüppelten Kranken, die ihn geheilt ver-
lassen und vor Freude tanzen. Er steigt endlich herab 
vom Wagen, der davonfährt, und verteilt unter die 
Menge seine Phiolen, aus welchen man nur einige 
Tropfen zu genießen braucht, um von jedem Leibes-
übel geheilt und von der unbändigsten Tanzlust 
ergriffen zu werden. Der Schützenkönig, welcher den 
Inhalt einer Phiole verschluckt, empfindet dessen Zau-
bermacht, er ergreift Mephistophela und hopst mit ihr
ein Pas de deux. Auch auf den bejahrten Bürgermei-
ster und seine Gattin übt der Trank seine beinbewe-
gende Wirkung, und beide humpeln den alten Groß-
vatertanz.
Während aber das sämtliche Publikum im tollsten 
Wirbel sich umherdreht, hat Faust sich der Bürger-
meisterstochter genaht, und bezaubert von ihrer reinen
Natürlichkeit, Zucht und Schöne, erklärt er ihr seine 
Liebe, und mit wehmütigen, fast schüchternen Gebär-
den nach der Kirche deutend, wirbt er um ihre Hand. 
Auch bei den Eltern, die sich keuchend wieder auf 
ihre Bank niederlassen, wiederholt er seine Werbung; 
jene sind mit dem Antrag zufrieden, und auch die 
naive Schöne gibt endlich ihre verschämte Zustim-
mung. Letztere und Faust werden jetzt mit Blumen-
sträußen geschmückt und tanzen als Braut und Bräu-
tigam ihre sittsam bürgerlichen Hymenäen. Der Dok-
tor hat endlich im bescheiden süßen Stilleben das 
Hausglück gefunden, welches die Seele befriedigt. 
Vergessen sind die Zweifel und die schwärmerischen 
Schmerzgenüsse des Hochmutgeistes, und er strahlt 
vor innerer Beseligung, wie der vergoldete Hahn eines
Kirchturms.
Es bildet sich der Brautzug mit hochzeitlichem 
Gepränge, und derselbe ist schon auf dem Wege zur 
Kirche, als Mephistophela plötzlich mit hohnlachen-
den Gebärden vor den Bräutigam tritt und ihn seinen 
idyllischen Gefühlen entreißt; sie scheint ihm zu be-
fehlen, ihr unverzüglich von hinnen zu folgen. Faust 
widersetzt sich mit hervorbrechendem Zorn, und die 
Zuschauer sind bestürzt über diese Szene. Doch noch 
größerer Schrecken erfaßt sie, als plötzlich, auf Me-
phistophelas Beschwörung, ein nächtliches Dunkel 
und das schrecklichste Gewitter hereinbricht. Sie flie-
hen angstvoll und flüchten sich in die nahe Kirche, 
wo eine Glocke zu läuten und eine Orgel zu rauschen 
beginnen, ein frommes Gedröhne, welches mit dem 
blitzenden und donnernden Höllenspektakel auf der 
Szene kontrastiert. Auch Faust hat sich wie die andern
in den Schoß der Kirche flüchten wollen, aber eine 
große schwarze Hand, die aus dem Boden hervorgriff,
hat ihn zurückgehalten, während Mephistophela, mit 
boshaft triumphierender Miene, aus ihrem Mieder das
Pergamentblatt hervorzieht, das der Doktor einst mit 
seinem Blute unterzeichnet hat; sie zeigt ihm, daß die 
Zeit des Kontraktes verflossen sei und Leib und Seele
jetzt der Hölle gehöre. Vergebens macht Faust allerlei
Einwendungen, vergebens legt er sich zuletzt aufs 
Jammern und Bitten - das Teufelsweib umtänzelt ihn 
mit allen Grimassen der Verhöhnung. Es öffnet sich 
der Boden, und es treten hervor die greuelhaften 
Höllenfürsten, die gekrönten und zeptertragenden Un-
getüme. In jubelnder Ronde verspotten sie ebenfalls 
den armen Doktor, den Mephistophela, die endlich 
sich in eine gräßliche Schlange verwandelt hat, mit 
wilder Umschlingung erdrosselt. Die ganze Gruppe 
versinkt unter Flammengeprassel in die Erde, wäh-
rend das Glockengeläute und die Orgelklänge, die 
vom Dome her ertönen, zu frommen, christlichen Ge-
beten auffordern.

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